Der einzige, der heute aufstehen will, ist mein Wecker. Schon 3 mal hat er geklingelt, und jedesmal habe ich ihn weggedrückt. Mit dem ersten Klingeln entscheide ich, mich nicht zu duschen. Mit dem zweiten, nicht zu frühstücken. Das dritte mal kann ich mir eigentlich nicht gar nicht erlauben.
Ich finde es rücksichtslos, entwürdigend und unmenschlich, mich so früh aus dem Bett zu scheuchen. Selbst ich kenne die Gründe nicht, die mich immer wieder aufstehen lassen. Gerade dann, wenn es draußen kalt und matschig ist
Ach ja, es gibt eine Anwesenheitspflicht, zumindest bei Seminaren. Simple, freiwillige Vorlesungen, gibt es schon seit dem ersten Semester nicht mehr.
Es ist also kurz nach 10, und unter Missachtung sämtlicher Vorfahrtsregeln, sowie mit großzügiger Auslegung von gerade-noch-so-grün, erreiche ich das Seminar. Seminar heißt präsent sein, mitarbeiten, mitdenken. Eigentlich genauso wie in der Schule. Genauso wie in der Schule gibt es Klugscheißer, die einen dumm darstehen lassen, und Dumme, die einen klug da stehen lassen. Um möglichst seine Ruhe zu haben, sollte man weder das eine, noch das andere sein, also mittelmäßig. Oft interessieren einen die Themen nicht, oder die Themen sind interessant, aber der Professor ist eine absolute Schnarchtasse. Dieser kommt von Hundertstel in Tausendstel und schafft es immer wieder, mit seinem monotonen Gebrabbel sich sämtlicher Aufmerksamkeit zu entziehen.
Alle schrecken hoch, als er eine Frage stellt. Das merkt man allerdings nur daran, dass eine Pause eingetreten ist, und der Professor erwartungsvoll in die Runde schaut. Jetzt muss man aussehen, als ob man angestrengt nachdenkt. Doch der Klugscheißer, der sich immer so HOCHTRABEND GESCHWOLLEN AUSZUDRÜCKEN weiß, hat die Frage schon beantwortet.
Danach geht es in die Mensa, damit der Student wenigsten einmal am Tag was Warmes isst. Alternativ fährt er nach Hause und isst sein absolutes Lieblingsessen: Tiefkühlpizza. Früher verpöhnt, heute wieder beliebt, ist der Mittagsschlaf. Während man nachts verzweifelt versucht einzuschlafen, schafft man es mittags geradeso noch seine Hose auszuziehen, bevor man einschläft.
Putzmunter wacht man 2 Stunden später wieder auf und stellt mit einem Gähnen fest,dass man eigentlich in diesem Moment in der Uni sitzen sollte. egal, den Kurs mach ich ja nächstes Jahr eh nochmal. Und dann nehm ich die Sache wirklich Ernst!
Spätenstens jetzt beginnt der gemütliche Teil, der Unisport, den man noch nicht einmal verpasst hat:
- abhängen mit Bier
- abhängen ohne Bier
- Video- und Computerspiele
Alles drumherum macht einen Riesenspaß, außer das Studieren selbst. Da man den Eltern am Ende des Semesters irgendetwas Verwertbares vorzeigen muss/will (die einem schließlich das ganze Theater finanzieren), ringt man sich am Ende doch durch, wenigstens das Nötigste zu machen.
Schreiben macht durstig, und außer Wasser ist nichts da. Ich beschließe, mit einem Feierabendbierchen den Tag ausklingen zu lassen. Das Feierabendbierchen ist schon auf dem Weg zum Club getrunken, zusammen mit dem Schnaps, den einer aus dem Rucksack zieht, der vorher unbedingt noch geleert weden muss. Natürlich helfe ich ihm dabei, man kann einen Gefallen schließlich nicht ausschlagen. Schon jetzt weiß ich, dass ich morgen Probleme haben werde aufzustehen
und täglich grüßt das Murmeltier










